Frederik Malsy

Frederik Malsy

„Noch eine Runde?“

Du kennst das: Der Spieleabend neigt sich dem Ende. Die Partie hat uns lange an den Tisch gefesselt, wir haben miteinander gerungen, gelacht, gelitten, gebangt und uns gefreut. Wir räumen die letzten Materialien in die Schachtel zurück und fragen uns: „Spielen wir noch was oder geht‘s ab ins Bett?“ 

So enden die meisten Spieleabende: Wir räumen auf, quatschen noch ein bisschen, leeren die Gläser und verabschieden uns. Und das tun wir in der Gewissheit, dass wir uns wiedersehen. Mit anderen Spielen, neuen Konzepten, frischen Ideen, an anderer Stelle, vielleicht auch mit neuen Menschen. Aber wir sehen uns auf jeden Fall wieder. Und bis dahin bleiben schöne Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit. 

So geht es auch uns gerade im Beeple-Netzwerk. Viele neue Menschen sind an unseren Tisch der Medienschaffenden dazugekommen. Einige sind nicht mehr Mitglied bei Beeple – geblieben sind sie dennoch als Freund:innen und Kolleg:innen. Und wie das so ist, wenn sich die Konstellationen ändern, hinterfragen wir ein paar Dinge, die wir als schöne Traditionen liebgewonnen haben. Wahrscheinlich wünschen wir uns alle dieses eine Brettspiel: Jenes, dessen Regelheft irgendwo den Satz versteckt: „Sollte dir die Ressource Zeit ausgehen, ersetze sie einfach durch eine beliebige andere Ressource.“

Leider hat dieses Spiel bisher noch niemand entwickelt.

Wie das eben so ist, wenn sich eine Spielerunde verändert: Neue Menschen kommen dazu, andere gehen ihren Weg weiter. Und irgendwann sitzt man in der Runde und fragt sich: Was macht uns eigentlich aus? Was wollen wir eigentlich miteinander spielen? Und worauf möchten wir unsere begrenzte Zeit verwenden?

Viele von euch begleiten diese Kolumne schon seit Jahren und lesen sie gerne. Und auch intern ist es ein Format, das uns sehr ans Herz gewachsen ist. Dennoch fällt es uns zunehmend schwerer, diese Kolumne monatlich in einer guten Qualität zu liefern und unserem Anspruch daran gerecht zu werden. 

Und deswegen haben wir uns entschieden, bei einigen Formaten, die regelmäßig viel Abstimmung und Zeit kosten, erst einmal ein wenig auf die Bremse zu treten. Das ist somit die (vorerst) letzte Kolumne aus dem Beeple-Netzwerk. 

Natürlich fällt uns diese Entscheidung nicht leicht. Schließlich sind hier über die Jahre viele Texte entstanden, auf die wir stolz sind. Gleichzeitig eröffnet sie uns Freiräume für frische Ideen, andere Projekte und neue Formen des Austauschs – wir freuen uns auf alles, was kommt. 

Diese Kolumne war für uns immer mehr als nur ein fester Veröffentlichungstermin. Sie war ein Ort für Gedanken, Skurriles, Diskussionen und manchmal einfach sehr persönliche Blicke auf unser gemeinsames Hobby. 

Ich möchte mich im Namen des gesamten Beeple-Netzwerks ganz herzlich bei allen bedanken, die diese Kolumne (und so vieles mehr) möglich gemacht haben – bei allen Autor:innen, Lektor:innen, Redakteur:innen, Organisator:innen und den Menschen im Hintergrund, die dafür gesorgt haben, dass all diese Texte überhaupt ihren Weg zu euch gefunden haben. 

Ohne euch gäbe es keinen einzigen dieser Texte. 

Aber ich bin sicher: Auch in Zukunft werden wir als Netzwerk nicht nur in unseren eigenen Medien sondern auch hier den einen oder anderen Text verfassen und uns kolumnistisch mit der Brettspielwelt beschäftigen. Nur eben nicht mehr verlässlich zum 30. des Monats. Sondern dann, wenn wir wirklich etwas zu sagen haben.

Also räumen wir auf. Quatschen noch ein bisschen. Leeren die Gläser. Und sagen „Auf bald!“ 

„Noch eine Runde?“

Nicht heute. Nicht so regelmäßig. Aber ganz bestimmt wieder.

Frederik Malsy, Der Boardcast
Das Beeple-Netzwerk